Jean-René Germanier – Ein erstklassiges Schweizer Boutique Weingut

May 19th, 2010 von Sébastien Gavillet

Als ich meine Reise ins Herz des einzigen Grand-Cru-Weinanbaugebiets der Schweiz fortsetzte, traf ich Gilles Besse von Jean-René Germanier. Er ist, meiner bescheidenen Meinung nach, einer der Schweizer Top-Winzer.

Die Jean-René Germanier Weingut

La Cave Jean-René Germanier wurde 1886 gegründet, als Urbain Germanier seine ersten Weinberge bepflanzte und ein Weingut in Vétroz gründete, einem kleinen Dorf im Herzen von Valais (weitere Informationen zu dieser Region finden Sie im Post Die Winzerei Rene Favre & Fils). Heute stellen die Önologen der 3. und 4. Generation, Jean-René Germanier und Gilles Besse, Weine her, die sich mit Weinen der weltbesten Winzer messen können – auch wenn Jean-René Germanier jetzt meist als Politiker tätig ist, nachdem er in das schweizerische Parlament gewählt wurde – sein Begeisterung für Weine und sein Engagement sind aber geblieben. Neben seinen Weinen ist das Anwesen Germanier auch für seinen bemerkenstwerten Obstbranntwein (eau die vie) berühmt. Ein weiterer Vorfahre der Germaniers, Francis Germanier, war der erste, der aus den heute weltbekannten Williams-Birnen eau die vie herstellte und damit Germaniers Bon Père William erschuf.

Die Rebsorten der Germaniers

Das Anwesen Jean-René Germanier stellt sowohl Weiß- als auch Rotweine her. Hier sehen Sie eine Liste der Rebsorten, die von den Germaniers für die Weinherstellung verwendet werden:

Weißwein-Rebsorten

- Amigne

- Arvine

- Chasselas (Fendant)

- Petite Arvine

- Chardonnay

- Humagne Blanche

Rotwein-Rebsorten

- Humagne Rouge

- Cornalin

- Merlot

- Gamaret

- Diolinoir

- Cabernet Sauviginon

- Gamay

Besondere Germanier-Weine

Jean-René Geranier und Gilles Besse sind in der Schweiz und in der ganzen Welt wegen Ihrer fantastischen, preisgekrönten Weine zu Stars geworden. Cayas, Champmarais und Mitis sind nur drei dieser bemerkenswerten Germanier Weine.

Cayas Syrah du Valais: Weinkritik und Notizen von der Weinverkostung

Cayah Syrah du Valais ist ein reinsortiger Syrah Rotwein. Er ähnelt großartigen Côte-Rôties vom Rhein oder Crozes Hermitage Weinen, doch er übertrifft sie fast alle.

Cayas hat eine intensive granatfarbene Erscheinung. Er ist sehr elegant, die Nase ist komplex, jedoch überraschend delikat für so einen vollmundigen Weint. Er trägt Aromen von schwarzer Johannisbeere, Brombeere, roter Johannisbeere, einigen Gewürzen (mit einem Hauch von Lakritze und Pfeffer), Leder, Vanillin und eine leichte  erdige, mineralischer Note.

Er zeigt eine beinahe perfekte Balance zwischen dem Säuregehalt und Tanninen, was dem Cayas, für einen Syrah überraschende, Frische und einen harmonischen Abgang verleiht. Kurz ausgedrückt, ist dies ein Wein,von dem man ein Glas nach dem anderen trinken kann,ohne sich je dabei überwinden zu müssen.

Einen Beweis für seine Exzellenz stellen die Preise dar, die dieser Wein bereits erhalten hat. Darunter befindet sich auch eine Goldmedaille von Vinalies Internationales Paris und eine Goldmedaille mit Auszeichnung für die Platzierung unter den Top 10 Syrahs bei Syrah du Monde 2009. Der Wein ist außerdem der einzige Schweizer Wein, der in der Weinliste des berühmten La Tour d’Argent in Paris verzeichnet ist.

Wie Sie wissen, ist das Ziel meiner Reise in die schweizerischen Weinanbaugebiete, Ihnen einzigartige Schweizer Weine vorzustellen. So bemerkenswert der Cayas ist, bleibt er trotzdem ein reinsortiger Syrah Wein – und Syrah ist keine Weinsorte, die ursprünglich aus der Schweiz stammt.

Falls Sie sich nach original Schweizer Weinen sehnen, dann ist meine Besprechung der nächsten beiden Germanier-Weine genau das Richtige für Sie: Cornalin de Champmarais und Mitis Amigne de Vétroz.

Cornalin de Champmarais: Weinkritik und Notizen von der Weinverkostung

Cornalin de Champmarais ist ein Rotwein. Wie sein Name nahelegt, wird er aus der Schweizer Rebsorte Cornalin hergestellt.

Jeder, der schon einmal einen Cornalin-Wein getrunkten hat, wird Ihnen sagen, dass Cornalin-Weine häufig eine großartige Nase und einen einzigartigen Abgang haben, jedoch dazu neigen, auf dem Mittelgaumen einige Mängel zu zeigen. Hier jedoch ist das nicht der Fall. Sie wären vom Champmarais angenehm überrascht, da er alle positive Eigenschaften reinsortiger Coranlin-Weine in sich vereint, jedoch keinen seiner typischen Mängel aufweist. Kein Wunder, dass der Cornalin de Champmarais zu der wachsenden Liste von Germanier-Weinen gehört, die mit einer Goldmedaille von Viniales Internationales Paris ausgezeichnet wurden.

Der Cornalin de Champmarais verdankt seinen vollen Körper der Auswahl der verwendeten Trauben sowie einem einzigartigen Gärungs- und Reifungsprozess. Bei Cave Jean-René Germanier stammen alle verwendeten Reben von einem einzigen Weinberg, was strenge Qualitätskontrollem möglich macht. Die verlesenen Cornalin-Reben werden in 400-Liter-Behältern aus junger Eiche fermentiert. Auch der daraus entstehende Wein wird danach in 400-Liter-Fässern aus junger Eiche 2 Jahre lang gelagert (gealtert).

Champmarais ist ein hellroter Wein mit purpurfarbenen Einschlägen. Er ist ein reicher, komplexer und hocharomatischer Wein mit einem exzellenten Alterungspotenzial. Er trägt die Aromen von Himbeere, schwarzer Johannisbeere, Morellokirsche und einem Hauch von Gewürzen (Pfefferkorn, Vanille). Auf dem Gaumen wirkt der Wein elegant und samtig mit perfekt integrierten Frucht- und Holztanninen. Es wird Ihnen schwer fallen, diesen Wein nur in Maßen zu genießen.

Mitis Amigne De Vétroz: Weinkritik und Notizen von der Weinverkostung

Mitis Amigne De Vétroz, ein reinsortiger Amigne-Weißwein, ist ein weiterer Premium-Wein vom Anwesen Germanier. Dieser liebliche Dessertwein, der aus edelfaulen Trauben gewonnen wird, altert bis zu 18 Monate lange in frischer Eiche auf seinem Trub. Dieser Wein macht den besten österreichischen und deutschen Weinen derselben Art Konkurrenz. Und tatsächlich wurde der Mitis Amigne De Vétroz 2007 erst kürzlich auf der Vinalies Internationales Paris 2010 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Dieser bernsteinfarbene, vollmundige Wein trägt Aromen von Quittenkonfekt, Linde, honiggerösteten Haselnüssen, einem Hauch Cointreau-ähnlicher Orangenschalen und einer zarten Spur Vanilleknospen. Dieser saftige Wein umhüllt den gesamten Gaumen und hinterlässt einen weichen, nachklingenden Abgang von Caramel oder Toffee. In einem Wort: WOW! Selbst beim Schreiben läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Die Germanier Winzerei und der Weinkeller

Alle Germanier-Weine werdem auf dem Germanier Weingut hergestellt, gelagert und in Flaschen abgefüllt. Rote und weiße Weinsorten werden separat aufbewahrt und jede Sorte hat ihren eigenen “Betreuer”. Die Jean-René Germanier Winzerei  ist eine moderne Produktionsstätte. Sie wurde im Laufe der Jahre mehrmals modernisiert, um der wachsenden Nachfrage nach ihren Weinen gerecht zu werden. Auch für die nächste Zukunft sind weitere Neuerungen geplant.

Germanier Weine sind im eleganten Verkostungsraum käuflich zu erwerben, der groß genug für größere Veranstaltungen ist. Falls Sie je in der Nähe sind, empfehle ich Ihnen dringend, sich die Zeit für einen Besuch bei der Jean-René Germanier Winzerei  zu nehmen und ihre Weine zu verkosten. Sie können ihnen ruhig sagen, ich hätte sie Ihnen empfohlen.

Es gibt da nur eine Sache: trinken Sie bitte verantwortungsvoll. Es gibt in diesem Verkostungsraum so viele großartige Weine, dass es Ihnen sicher schwerfallen wird, sie alle auszuspucken. Sie glauben mir nicht? Sie können ruhig meinen Vater fragen, der bei diesem Besuch dabei war. Sagen wir einfach, die verkosteten Weine schmeckten ihm zu gut, um danach noch Auto fahren zu können…

Prost!

René Favre & Fils – Die Prinzen des Petite Arvine

May 06th, 2010 von Sébastien Gavillet

Zu meiner Reise durch die Schweiz gehörte auch ein Zwischenstopp in St. Pierre-de-Clages, einem Dorf in der Gemeinde Chamoson im Kanton Wallis. Dort traf ich Mike und John (Jean-Charles) Favre von der Winzerei René Favre et Fils (René Favre und Söhne).

Die Weinregion St. Pierre-de-Clages, Chamoson

Das Weinanbaugebiet St. Pierre-de-Clages und Chamoson ist die größte Weinregion im Wallis und beherbergt etwa 30 verschiedene Rebsorten. Der Boden in diesem Gebiet besteht zum Großteil aus Kalkstein. Die Weinberge liegen am rechten Ufer des Rheins und die meisten von ihnen haben eine leicht abschüssige Lage.

Die einzigartige Ausrichtung der Weinberge in St.-Pierre-de-Clages – Chamoson in Richtung Süden, ermöglicht eine richtige Durchreifung der Reben. Genau im Herzen dieses Weinanbaugebiets liegt das Anwesen der Winzerei René Favre et Fils.

Die Winzerei René Favre & Fils

Die Winzerei René Favre & Fils spezialisiert sich auf Petite Arvine Weine, die aus den ältesten Petit Arvine Weinreben der Welt gewonnen werden. Diese Familienwinzerei wird derzeit von den Favre Brüdern Mike und John betrieben.

John Favre studierte zunächst auf der landwirtschaftlichen Schule in Chateauneuf im Wallis. Danach besuchte er die École Superieure de Changins, die beste Önologie-Fachhochschule der Schweiz.

Mike Favres Werdegang ist vollkommen anders. Er studierte Ökonomie, bevor er Önologie und Weinanbau auf der staatlichen Fachhochschule studierte. Danach ging er in die Vereinigten Staaten, wo er 7 Jahre lang lebte und Weine produzierte, bevor er in die Schweiz und zum Familiensitz zurückkehrte. Heute ist Mike neben anderen Aufgaben Vizedirektor von Vinofed.

Mike und John Favre stellen die neue Generation von Weinbauern dar – wagemutig, fortschrittlich und mit großer Leidenschaft für ihre Weine und Weinreben. Sie revolutionieren die Weinwirtschaft durch die Entwicklung und Anwendung neuer Techniken des Weinanbaus und der Weinherstellung.

Die Favre Weine

Die Favre Weinberge können leicht an der Art erkannt werden, wie die Weinstöcke gesetzt sind. Diese werden in zwei engen Reihen und einer breiteren Reihe gepflanzt (siehe Bildergalerie).

Der Grund für diese Art des Anbaus ist deren Effizienz. Einerseits ermöglicht diese Konfiguration den Traubenpflückern einen besseren Zugang zu den Trauben, andererseits können die Stöcke so leichter von einer Spezialmaschine erreicht werden, die überschüssige Blätter entfernt. Das Entfernen überschüssiger Blätter verbessert die Luftzirkulation im Weinstock, wodurch Fäulnis und anderen Weinkrankheiten vorgebeugt wird. Aus diesem Grund benötigen die Favres auf ihren Weinbergen keine Pestizide.

Tatsächlich gehören die Favre Weinstöcke zu den saubersten Weinbergen, die ich je gesehen habe (überzeugen Sie sich anhand der Fotos in der Bildergalerie selbst davon) – und ich habe auf meinen vielen Reisen eine Menge Weinberge in der ganzen Welt gesehen.

Die Favre Weine und ihre Weinproduktion

Die Winzerei René Favre & Fils stellt eine Vielzahl verschiedener Weine her. Ihre Weißwein-Produktion besteht hauptsächlich aus Petite Arvine, Johannisberg (Sylvaner) und Fendant (Chasselas). Die  Rotweinproduktion beinhaltet dagegen zum Großteil Pinot Noir, Gamay, Humagne Rouge, Merlot, Syrah und Diolinoir.

Alle Favre-Weine werden auf dem Anwesen vinifiziert und jeder von ihnen wird in rostfreien Stahlfässern vergoren. Die meisten Weißweine kommen nie mit Eiche in Berührung, dafür jedoch die Rotweine. Das Profil der Favre-Weine ist ein für die Region typisches – mit Ausnahme einiger Weinverschnitte, die Mike und John für den internationaleren Geschmack entwickelt haben.

Mein persönlicher Liebling unter den Favre-Weinen ist der Altstock-Petit Arvine (d.h. ein Petite-Arvine-Wein, der aus Trauben von sehr alten Petite-Arvine-Weinstöcken hergestellt wird). Dieser Wein ist frisch, hat einen mittleren Körper und eine hervorragend ausgeglichene Säure. Er trägt die Aromen von Zitrone, Grapefruitschale, Rhabarber und zeigt auch einige blumige Noten. Auch ist seine Mineralität (Kalkstein) sowie ein angenehmer Salzgehalt deutlich auf dem Gaumen wahrzunehmen.

Mein absoluter Favorit unter den Rotweinen ist der Rennommée St. Pierre, der für einen schweizerischen Pinoir Noir überraschend reichhaltig und fruchtig  schmeckt. Dieser Wein wird 18 Monate in Eiche gelagert (gealtert) und ich lege ihn Pinot-Liebhabern ausdrücklich ans Herz.

Das wär’s vorerst. Halten Sie nach weiteren Artikeln über Schweizer Winzer und Weine Ausschau. In der Zwischenzeit können Sie sich die ersten Posts aus der Schweizer-Serie durchlesen: „Ein paar Fakten zu Weinen aus der Schweiz“ und „Die Winzerei Adrian und Diego Mathier

Prost!

Die Winzerei Adrian und Diego Mathier

March 23rd, 2010 von Sébastien Gavillet

Wie Sie bereits in meinem Artikel “Ein paar Fakten zu Weinen aus der Schweiz” gelesen haben, war ich kürzlich in der Schweiz. Ich hatte dort ein halbes Dutzend Winzer getroffen und ihre Weingüter besucht. Das Weingut von Adrian und Diego Mathier war eine der Winzereien auf meiner Reiseroute.

Die Mathier-Familie und ihr Weingut

Das Weingut von Adrian und Diego Mathier liegt in Salquenen, im Schweizer Kanton Wallis. Die Mathier-Familie wohnt bereits seit 1387 in diesem Weindorf, seit vier Generationen stellen die Mathiers Wein her. Ihr Weingut erstreckt sich auf über 25 Hektar Weinberge in Salquenen und Chamoson.

Für die Mathiers ist Wein mehr als pures Geschäft. Er bestimmt ihr Leben. Wie bei anderen Schweizer Weinherstellern ist Qualität die oberste Priorität für die MathierWinzerei.

Der besondere Boden von Salquenen

Der Salquenener Boden ist im Wallis einzigartig, da er reich an Kalk und Magnesium ist. Der Boden in den meisten anderen Weingebieten im Wallis weist einen hohen Schiefer- und Kiesgehalt auf.

Besonderheiten der Weinproduktion

Die Reben werden nicht zerdrückt. Es wird statt dessen eine Zentrifuge benutzt, um die Trauben von ihren Stengeln zu trennen. Nach der Fermentierung werden die Trauben unter pneumatischem Druck gepresst (unter 1.5 bar).

Die Winzerei Mathier wendet an, was ich als eine „Fermentation einzelner Parzellen“ bezeichnen würde, da die Trauben jedes einzelnen Bereichs (Parzelle) des Weinbergs  einzeln fermentiert werden – diese Vorgehensweise steht im Gegensatz zu einer Vermischung aller Trauben derselben Rebsorte des gesamten Weinbergs. Dadurch können die Mathiers experimentieren – sie können Reben besserer Qualität von Reben minderer Qualität besser trennen.

Die Mathier Familie chaptalisiert ihren Wein nicht. Die Mathier Weinberge genießen annähernd 330 Sonnentage im Jahr! Zusätze können im Verlauf des Weinproduktion hinzugefügt werden. Zu solchen Zusätzen gehören Hefe, Schwefeldioxid, Kohlendioxid, Kalkdioxid und Klärmittel.

Wein kann oder kann nicht in Eiche gealtert werden. Wenn Eiche verwendet wird, greift man dabei auf französische Eiche zurück. Die Mathier-Familie verwendet die Sorte Quercus petraea (Traubeneiche) und  Quercus robur (Stieleiche).

Weinproduktion

Die Mathier Familie produziert mehr als 45 verschiedene Weinsorten und Destillate. Einer ihrer bemerkenswertesten Weine ist der Gletscherwein (vin du glacier), ein Späternten-(Edelfäule-)Wein, der in Eiskammern, welche in den Aletsch-Gletscher gebohrt wurden, aufbewahrt wird. Diese Eiskammern stellen eine perfekte Aufbewahrungsmethode für Späternte-Weine dar. Das Eis fungiert als elektromagnetisches Schutzschild für den Wein. Diese Tatsache, sowie die niedrige Umgebungstemperatur (nur knapp über dem Gefrierpunkt) und die hohe Luftfeuchtigkeit tragen zur Konservierung des Weins bei.

Die Anlagen zur Weinherstellung auf dem Gut der Mathier Familie sind hochmodern und in sehr gutem Zustand (kein Wunder, schließlich sind wir hier in der Schweiz). Kleine Behälter aus rostfreiem Stahl werden von den Mathiers für die Fermentierung (Gärung) des Ertrags aus den einzelnen Parzellen verwendet (siehe Abschnitt ‘Besonderheiten der Weinherstellung’). Im Verlauf der letzten Jahre sind auf dem Gut massive Bau- und Renovierungsarbeiten durchgeführt worden. Dadurch wurden die Betriebsprozesse erheblich modernisiert und die Produktivität erhöht, ohne dabei die Qualität negativ zu beeinflussen.

Der Weinverkostungsraum bei Adrian und Diego Mathier ist öffentlich zugänglich. Sie sollten also einen Zwischenstopp einlegen, wenn Sie das nächste Mal in der Schweiz und in der Nähe des Wallis sind.  Vielleicht sind Sie dann auf dem Weg in das Skigebiet Crans-Morana oder nach Zermatt, wo der berühmteste Gipfel der Schweiz (wenn nicht der ganzen Welt), das Matterhorn, beheimatet ist. Oder vielleicht reisen Sie dann ja mit dem Zug nach Italien – wohin Sie auch auf dem Weg sind, Sie sollten bei Adrian und Diego Mathier eine Pause einlegen und einige der preisgekrönten Weine verkosten. Im Laufe der Jahren haben ihre Weine mehr als 150 Goldmedaillen gewonnen. Ich lege Ihnen diesen Zwischenstopp sehr ans Herz.

Prost!

Interessante Informationen über Schweizer Weine

March 17th, 2010 von Sébastien Gavillet

Außerhalb der Schweiz ist nicht sehr viel über Schweizer Weine bekannt. Wenn Menschen an die Schweiz denken, fallen ihnen meist Skifahren, Schokolade, Käse, Uhren und Privatbanken ein. Wo passt da Wein hin und warum wissen wir so wenig darüber?

lavaux vineyards

Weinberge in Lavaux, Vaud, Schweiz.

Wieviel Wein produziert die Schweiz?

Um die Schweizer Weinproduktion besser greifbar zu machen, werde ich sie mit Kalifornien vergleichen. Die Schweiz produziert etwa 1.1 Millionen Hektoliter Wein im Jahr. Kalifornien andererseits produzierte im Jahr 2008 etwa 20.6 Hektoliter Wein. In anderen Worten beträgt die Schweizer Weinproduktion nur etwa 5% der kalifornischen. Es liegt auf der Hand, dass die Schweizer Weinproduktion deutlich geringer ist als die Produktion Kaliforniens. Trotzdem – wenn Sie die Bevölkerungszahl der Schweiz betrachten, werden Sie feststellen, dass die Schweiz im Grunde sogar sehr viel Wein produziert. Sie stellt nämlich mehr als 21 Flaschen Wein pro Jahr und Einwohner her.

Wieviel Wein exportiert die Schweiz?

Über 4 Gallonen Wein pro Kopf scheint viel – vor allem, da Menschen unter 18 für gewöhnlich keinen Wein trinken. Die Schweiz exportiert wahrscheinlich den größten Teil davon – aber tut sie das wirklich?  Nein, tut sie nicht. Der Schweizer Weinexport ist nämlich stark limitiert, das Angebot deckt nicht mal die Nachfrage. Schweizer trinken 4 mal mehr Wein als Amerikaner. Daher muss die Schweiz sogar etwa 1.7 Hektoliter Wein importieren, nur um die Nachfrage ihrer Einwohner decken zu können. Kurz gefasst: die Einwohner der Schweiz lieben ihre Weine so sehr, dass sie nur sehr wenig davon für den Export freigeben. Die Schweiz exportiert nur 1.5% der Weine, die sie produziert. Im Gegensatz dazu exportierte Kalifornien nach Angaben des amerikanischen Handelsministeriums im Jahr 2006 über 21% (3.8 Millionen Hektoliter) ihrer Weinproduktion.

Warum also wissen wir so wenig über Schweizer Weine? Ganz einfach: beinahe die gesamte Menge wird im Land selbst konsumiert. Nicht viele Menschen außerhalb bekommen die Möglichkeit, diese Weine zu probieren oder überhaupt von ihnen zu erfahren.

Interessantes kleines Detail: obwohl die Nachfrage nach Schweizer Weinen sehr hoch ist, bleiben die Preise für relativ niedrig. Die Preise für die meisten Schweizer Weine liegen zwischen 12 und 30 US Dollar.

Schweizer Rebsorten

Die Schweiz ist bekannt für den Anbau der Rebsorte  Chasselas, einer Weißwein Rebsorte, die in Europa oft für die Herstellung von Tafelweinen verwendet wird. Aus irgendeinem Grund (Klima/Boden) fühlen sich die Chasselas Reben in der Schweiz besonders wohl. Schweizer Chasselas Weine sind delikat und elegant, mit einer großartigen Mineralität. Anfänglich wurde angenommen, dass alle Schweizer Chasselas Weine jung getrunken werden sollten (innerhalb der ersten zwei Jahre). Sommeliers haben aber entdeckt, dass einige Chasselas Weine von tollen Produzenten und guten Ernten auch im Alter von 15 Jahren sehr gut zu trinken sind. Diese Rebsorte ergibt großartige Weine des Typs Chenin Blanc/Viognier. Die Schweiz verfügt über einige einheimische Weinsorten und hat auch einige Rebsorten gekreuzt. Etwa 190 Rebsorten werden heute in der Schweiz angebaut. Die am häufigsten kultivierten Sorten sind (in der Reihenfolge ihrer Relevanz und nach Weintyp kategorisiert):

Rotweine:

Pinot Noir (52%), Gamay (19%), Merlot (12%), Gamaret (4%), Garanoir (2%), Syrah (2%)

Humagne Rouge, Diolinoir und ca. über 50 weitere, nicht angeführte Rebsorten ergeben einen Anteil von 9%.

Weißweine:

Chasselas (66%), Müller-Thurgau (8%), Chardonnay (5%), Sylvaner (4%), Pinot Gris (2.5%)

Amigne, Pinot Blanc (Malvoisie), Charmont, Humagne Blanche, Petite Arvine, Riesling, Gewürztraminer, Heida (Paien) und etwa 70 weitere, nicht angeführte Rebsorten ergeben zusammen einen Anteil von 14,5%.

Die Geschichte der Schweizer Weine geht bis ins Jahr 3000 v. Chr. zurück. Laut Aufzeichnungen begann der Schweizer Weinbau und die Weinproduktion zur Zeit des römischen Imperiums. Wir haben die unglaublichen heutigen Terrassen-Weinberge im Lavaux Mönchen zu verdanken. Einige dieser Weinberge gehören jetzt zum UNESCO-Weltkulturerbe (aufgenommen im Jahr 2007, UNESCO ref 1243).

Weitere Fakten und Details zur Schweizer Weinkultur folgen in Kürze.

Dies ist erst der Anfang. Erwarten Sie bald weitere Blog-Artikel über meine Reise ins Herz der Schweizer Weinproduktion.

Prost!

Was sind Super-Toskaner?

March 09th, 2010 von Sébastien Gavillet

Eine gute Frage, auf die es eine sehr einfache Antwort gibt. Super-Toskaner sind toskanische (also italienische) Weine mit folgenden Eigenschaften:

  • Mindestens 85% des Super-Toskaners bestehen aus Reben, die in der Toskana angebaut wurden, um die IGT-Klassifikation zu erhalten
  • Die Produktion des Super-Toskaners richtet sich nicht nach den regionalen Apellations-Richtlinien.

montepulciano-tuscany Blick auf den Montepulciano, Toskana

Was bedeutet das nun genau? Die Hersteller von Super-Toskaner Weinen greifen nicht auf den Sangiovese als Haupt-Rebsorte zurück. Statt dessen nutzen sie andere Rebsorten (am häufigsten Bordeaux-Arten), wie zum Beispiel Cabernet Sauvignon und/oder Merlot. Dadurch kommen sie für die Klassifikationen DOC (Denominazione di Origine Controllata) oder DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) nach geltenden lokalen Apellations-Richtlinien nicht mehr in Frage. Trotzdem können Super-Toskaner noch die IGT-Klassifikation (Indicazione Geografica Tipica) erhalten.

Einige der teuersten Weine aus der Toskana sind Super-Toskaner Weine, wie zum Beispiel der Sassicaia, Tignanello, Solaia, Magari, Ornellaia und Picconero. Prost!

Der Wine Vibe Blog 2.0 Beta

January 05th, 2010 von Sébastien Gavillet

Herzlich willkommen im neuen, stark verbesserten Wine Vibe Blog, dem ersten mehrsprachigen Blog für Weinkritiken und Weinkultur, erstellt von Profis der Weinbranche.

Schon vor sechs Monaten war Wine Vibe ein großartiger Informationsblog zur Weinkultur. Er enthielt Neuigkeiten aus der Weinbranche, Notizen von Weinverkostungen, an denen ich teilgenommen habe, Geschichten über Weingüter und Weinberge, die ich besucht habe, hilfreiche Leitfäden zu Fragen, wie Wein gereicht und getrunken wird, sowie exklusive Weinkritiken.

Ich wollte noch mehr. Ich hatte den Eindruck, dass Wine Vibes mehr erreichen, mehr darstellen und mehr mitteilen kann, daher entschloss ich mich, bis an die Grenzen zu gehen – und begann eine extensive und definitiv aufwändige Überholung des Wine Vibe Blogs.

Ich begann mit einer Umgestaltung des Aussehens von Wine Vibe. Dann griff ich die älteren Posts wieder auf und revidierte sie ausgiebig, um sie klarer und leichter lesbar zu machen. Dies nahm viel Zeit meines vollgepackten Terminkalenders in Anspruch, doch ich wusste, dass dies notwendig war, um Ihnen – meinen Lesern – einen größeren Nutzen für Ihre aufgewandte Zeit zu geben. Nach der Revision der Posts entfernte ich 99,5% aller externen Links in den Texten.

Ich wollte Wine Vibe zu einer verlässlichen Weininformations-Ressource gestalten, stellte daher erfahrene Forschungs- und Recherchekräfte ein und kreierte ein  intern verfügbares umfassendes Glossar über Weinfachsprache und Rebsorten. Ich beauftragte Programmierer mit der Erstellung spezifischer Applikationen, die die Webseite interaktiver funktionieren ließen. Außerdem stellte ich Animations-Spezialisten ein, um Multimedia-Inhalte im Blog hinzufügen zu können.

In einem abschließenden Schritt holte ich professionelle Übersetzer an Bord und ließ Wine Vibes in 6 weitere Sprachen neben Englisch übersetzen. Dann ließ ich die Seite von Branchenspezialisten gründlich überprüfen.

Es sind nun sieben Monate vergangen, seit ich mit der Generalüberholung von Wine Vibe begonnen habe. Ich plane weitere Neuerungen und Applikationen hinzuzufügen, eine „who is who“-Liste der Weinbranche zu erstellen, weitere Animationen und mehr Bilder hinzuzufügen sowie neue Multimedia-Inhalte anzubieten.

Ich bin froh zurück zu sein und habe ein Dutzend neuer Posts, die darauf warten, veröffentlicht zu werden, sobald sie übersetzt wurden.

Prost!

Sébastien Gavillet

Nuschese-Weinverkostung bei “Southern Wine & Spirits”

May 14th, 2009 von Sébastien Gavillet

Nun, als Franco Nuschese sagte, er würde seine neue Kollektion stilvoll präsentieren, meinte er das ernst.

Er flog drei seiner Chefköche und Bruno de Conciliis (Italienischer Winzer und Besitzer von Viticoltori de Conciliis) aus Italien sowie zusätzliches Personal aus seinem DC-Büro ein, das assistieren und eine stilvolle Umsetzung sicherstellen sollte.

Larry Ruvo, GM SWS, war Gastgeber der Veranstaltungen, der italienische SWS-Weinspezialist Carmelo Messina assistiere ihm dabei.

Alle Weine, die vorgestellt wurden, werden regional in der Campagna (südliches Italien) angebaut, eine Region, aus der auch Franco und Bruno stammen.

Die Nuschese-Weine sind nicht die Weinsorten, die Sie üblicherweise auf den Listen und in den Weinregalen ihrer lokalen Weinläden finden. Sie werden aus seltenen Reinsorten hergestellt, wie z.B. Greco di Tufo, Falanghia, Fiano di Avellino, Aglianico, Primitivo, di Manduria, und einigen leichter erhältlichen Reinsorten wie Barbera, Malvasia, und Moscato.

Alle Weine wurden zu den Speisen eines 7-Gänge-Menüs serviert, was eine wunderbare Weise war, diese Weine zu präsentieren.

Doch zunächst will über nur über die Weineigenschaften sprechen und erst danach ausschließlich darüber, zu welchem Gang sie serviert wurden.

-    Il Sogno, was auf Italienisch „Traum“ bedeutet (60% Fiano, 30% Malvasia, 10% Moscato), wurde als Aperitif gereicht.

Dieser spritzige Wein, der kein Prosecco ist, wird mit der Charmat-Methode hergestellt, die auch als Italienische Methode bekannt ist – hier durchläuft der Wein, anders als beim Champagner, eine zweite Fermentation im Tank, nicht in der Flasche. Er wird dann unter Druck in Flaschen gefüllt. Der Wein hat ein sehr blumiges Aroma mit einem Schuss tropischer Frucht  in der Nase. Am Gaumen öffnen sich die Aromen zu einer stärker blumigen Note und durch die Nähe des Weinanbaugebiets zum Ozean ist eine Spur Salzigkeit zu erahnen.
Erfrischend, klar, mit einer Drift zur sauren Seite im Nachhall.

-        Falanghina 2007 IGT (Falanghia)
Wurde als Aperitif serviert.
Ein Weißwein mit Aromen von Limette, Grapefruit, Zitrone, Grünem Apfel und viel Jasmin. Sehr bemerkenswerte mineralische Komponente, die im Abgang dem Hang zur tropischen Frucht weicht.

-Greco di Tufo 2007 DOCG (Greco di Tufo)
Ein aromatischer Weißwein mit Aromen der Melone, Limette, Birne und weißer Blüten. Frisch und sehr lebendig, gut ausblanciert mit einer angenehmen mineralischen Note. Ein Weintypus, dem Sie nicht allzuoft begegnen werden.
Er wurde mit einer Languste in Zitronenmarinade gereicht, dazu Zucchini, Fenchelsalat und Olivenöl mit rotem Pfefferkorn.

-        Fiano di Avellino 2007  DOCG (100% Fiano di Avellino)
Der Wein wurde mit einem warmen Octopus-Salat gereicht, dazu Gemüse-Panzanella und italienisches Petersilien-Pesto.

-        Lucretia 2007 IGT (50% Fiano di Avellino, 50% Greco di Tufo)
Dieser aromatische Weißwein hat mehr Komplexität als der Fiano di Avellino. Er hat Aromen von Grünem Apfel, Melonenrinde, Jasmin und zeigt starke “terroir“-Attribute, er rundete den Hummer perfekt ab.
Gereicht wurde er zu einer importierten Paccheri-Pasta mit einem gedünsteten Maine-Hummer, Majoran und Fava-Bohnen in einer leichten, würzig-scharfen Kirschtomaten-Soße.

-        La Pietra (the Rock) 2007 (50% Barbera, 40% Aglianico, 10% Primitive)
Der Name La Pietra (der Felsen) geht auf Bruno de Conciliis zurück, der die eher realistische Seite des Lebens repräsentiert, während Il Sogno (siehe oben) nach Franco, dem “Träumer und Visionär” benannt ist.  Dieser leicht überdurchschnittlich trockene Rotwein passt sehr gut zu allen Tomatengerichten und sogar Fisch.
Er trägt Aromen von roter Kirsche, Himbeere, grünem Pfeffer, Pflaumen, eine leichte  Spur von weißem Pfeffer und einen Schuss Erdbeere (eine typische Charasteristik der Sangiovese-Rebsorte). Ja, dieser Wein hat einen deutlichen Schuss Sangiovese in sich. Fruchtig mit Frucht-Gerbstoffen, keine Eiche. Langer Nachhall.
Gereicht wurde er zu gedünstetem Monkfish ossobuco mit italienischen Lake-Bohnen, Pancetta und Guazzeto-Muscheln.

-        Taurasi 2004 DOCG (Aglianico)
Gereicht zu geschmortem Kalbfleisch mit Jerusalemer Artischocke und Junggemüse.

-        Cassius 2005 DOC (Aglianico)
Eine Besonderheit, die sich über diesen Wein sagen lässt, ist, dass er nach dem Genuss den Eindruck hinterlässt, als hätten Sie eine Vanilleschote auf Ihrer Zunge! Sie können deutlich spüren, dass dieser Wein unverkennbar einen ausgeprägten Eichenkontakt hatte. Dieser Wein wurde hergestellt, um den Aficionados des Weinstils der Neuen Welt zu gefallen.
Er wurde zusammen mit importiertem italienischen Pecorini-Käse gereicht, dazu Trüffelhonig und eine hausgemachte Radicchio-Konfitüre.

-       MarcAntonio 2006 DOC (Primitivo di Manduria)
Sehr komplex und außergewöhnlich edel für einen Primitivo di Madura – dieser dunkle, beinahe schwarze Wein trägt Aromen von Himbeere, Brombeere, Pflaume, Gewürzen, Leder, Bitterschokolade, Vanille und einer Spur Rauch.
Gereicht wurde er zu einer Chilli-Schokoladen-Creme mit einem schmackhaften Beerenkompott.

Was für ein Schmaus. Ich muss zugestehen, dass die Zusammenstellung von Gängen und Weinsorten sehr gelungen war. Ich freue mich darauf, die Winzerei diesen Sommer wieder zu besuchen und den Wein vor Ort zu probieren. Ich bin mir sicher, dass diese Reise zu ein paar neuen interessanten Blogs Anlass geben wird!

Cheers!

Kracher-Weinverkostung bei Spago

March 18th, 2009 von Sébastien Gavillet

Die Weinverkostung fand im Spago statt (einem Restaurant von  Wolfgang Puck), das an den Forum shops im Caesar’s Palace liegt. Gastgeber der Verkostung war J&P Wholesale (SWS), zusammen mit Gerhard Kracher selbst (Winzer in dritter Generation).

Für diejenigen von Ihnen, die noch nie einen Wein von Kracher probiert haben: die Kracher-Familie spezialisiert sich vor allem auf süße Dessert-Weine, die einfach köstlich sind und buchstäblich das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Drei Generationen der Kracher-Familie haben Wein hergestellt, der die Region Seewinkel (Burgenland, Austria) auf die Karte der Qualitätsweine herstellenden Regionen gebracht hat und ihr zu einem heute weltweiten Ruf verholfen hat. Zu behaupten, die Kracher-Familie ist einer der größten und besten österreichischen Weinhersteller, wäre eine Untertreibung.Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass diese Weine zu den besten Dessertweinen auf dem Markt überhaupt gehören.

Gerhard selbst schenkte die Weine aus und nahm sich die Zeit, detailliert jeden Wein zu erklären, den wir probierten. Ich empfinde es jedes Mal als faszinierend und als Privileg, einen Winzer über seine Visionen und Produktionstechniken sprechen zu hören. Es gibt mir die Gelegenheit, richtiger einzuschätzen, wieviel Herz und Seele sie in die Weinherstellung stecken. Das ist jedes Mal eine erleuchtende und bereichernde Erfahrung. Ich werde nicht alle 24 Weine, die ich probiert habe, kommentieren könne, habe mir jedoch 6 besonders interessante Sorten ausgesucht:

  • TBA No. 03 TRAMINER “NOUVELLE VAGUE” 2004: Er hat die Farbe von Strohballen mit tiefen Farb- und Aromaspuren von Orangenrinde. Weiterhin trägt er Aromen von Muskat, Weißdorn, Honig, Rose, eine Spur Nelke und er zeigt eine dezente Rauchigkeit. Er ist intensiv vollmundig und komplex, mit einem nachhallenden aromatischen Abgang. Dieser Wein hat sein volles Potenzial noch nicht erreicht und müsste wunderbar altern.

  • TBA No. 08 WELSCHRIESLING “ZWISCHEN DEN SEEN” 2002: Dieser Wein hat die Farbe von dunklem Gold und Bernstein mit Aromen von Linde, Grapefruitknospe (eine blumige Note), wahrscheinlich ein wenig Quitte (Frucht), Safran und anderen Gewürznoten ohne eine Spur Eichenkontakt – dieser Wein ist sehr elegant und trotzdem komplex. Er ist trinkfertig ausgereift.

  • TBA No. 12 NOBLE WINE “ZWISCHEN DEN SEEN” 2002 (Der technisch gesehen kein wirklicher Wein ist): Der Grund, weshalb ich diesen “Wein” ausgesucht habe, ist, dass er nicht als Wein klassifiziert werden kann, weil sein Alkoholgehalt zu gering ist  (4%), was durch seinen extrem hohen Zuckergehalt (RS) verursacht ist. Dieser “Wein” ist aus einer Mischung aus 50 % Scheurebe und 50 % Welschriesling hergestellt und ähnelt in seinen Eigenschaften dem ungarischen Tokaji Eszencia. Er hat die Farbe von Bernstein und trägt Aromen des Nestea-Konzentrats, um es einfach zu formulieren, beziehungsweise von Zitrone, Birne, getrockneten Aprikosen, Honig, Teeblättern und einem Hauch Tabak. Im Grunde ein Tokajer Eszencia, nur mit weniger Trockenfrüchten in der Nase.

  • TBA No. 09 CHARDONNAY “NOUVELLE VAGUE” 2004: Strohballenfarbener Wein mit Aromen von Ananas (schwach), Birne, Linde, Honig, Vanille, gebratenen Mandeln und einem Hauch Karamelisierung und Rauch. Intensiv, aber sehr ausgewogen. Aufgeschlossen und sehr jung, wenn man bedenkt, dass er weniger Säure hat als der Jahrgang 2005. Trinkfertig ausgereift, müsste jedoch gut altern. Bedenken Sie immer, dass mit der Zeit einige dieser Aromen sich verändern.

  • TBA No. 10 CHARDONNAY “NOUVELLE VAGUE” 2005: Gelb-goldene Farbe, mit Aromen von Zitrone, Linde (dem Honigaroma hier sehr ähnlich), honigglasierter gebackener Birne, Nelke (nur ein Hauch), Vanille, gebackenen Mandeln mit einer Spur Rauch. Der Wein ist Vollmundig und hat eine überraschend cremige Textur (von der Reifung in Eichenfässern und durch seinen Chardonnay-Ursprung), hat jedoch trotzdem eine hervorragende Säure mit einem langen sanften Abgang. Einfach wunderbar.

  • TBA No. 07 WELSCHRIESLING “ZWISCHEN DEN SEEN” 2004: Die Farbe von goldenen Strohballen, mit Aromen von Grapefruitknospen, Linde, (alpinem) Honig, Aprikosen, Birnen, Teeblättern und einer Spur  Tabak und/oder holzigen Gewürzen. Sehr intensiv fruchtiger Geschmack, dabei sehr ausbalanciert. Dieser komplexe Wein hat einen beinahe nicht endenden Abgang. Trinkfertig ausgereift, wird dabei wunderbar altern.

Prost!

Weinsorten und -stile der Alten versus Neuen Welt

February 14th, 2009 von Sébastien Gavillet

Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung glaubt immer noch, dass Weinsorten der alten Welt Weine sind, die aus der alten Welt kommen – also beispielsweise aus Frankreich, Italien, Spanien und anderen Ländern Europas – und dass Weine der neuen Welt Weine sind, die aus den USA stammen, aus Südamerika und Australien. Diese Markierung war womöglich in der Vergangenheit zutreffend, heute können wir uns auf diese Unterscheidung nicht mehr verlassen. Wenn wir heute von Weinen der alten versus neuen Welt sprechen, sprechen wir eher vom Weinherstellungsprozess und den Sorten/Stilen der Weine, als dass wir uns auf den Ort ihrer Herkunft beziehen würden.

Weinstile der Alten Welt tendieren dazu, weniger aufdringlich zu sein, sind weniger lebhaft in der Farbgebung – sie wirken delikater, haben einen höheren Säureanteil, sie sind elegant und sind im Allgemeinen auf natürliche Weise besser ausbalanciert.  Sie weisen auch mehr Eigenschaften der Rebsorte selbst auf sowie  der Apellation (Herkunftsbezeichnung) bzw. des “Terroir” . Nicht selten haben Sie eine höhere Mineralität und neigen dazu, traditionellen Herstellungsrichtlinien der Region zu folgen, der sie entstammen.

Andererseits sind Weinsorten und -stile der Neuen Welt beinahe immer wuchtiger, üppiger, und oft sprühen sie förmlich von vornherein von fruchtigen Aromen. Sie haben üblicherweise einen höheren Alkoholanteil, da die Trauben länger/schneller reifen (da die Weinanbaugebiete der Neuen Welt oft wärmer sind). Ihr Säuregehalt neigt dazu, mittig bis links angelegt zu sein. In der Nase sind sie weniger delikat und edel als Weinstile der Alten Welt. Es gibt natürlich Ausnahmen dieser Regel – so gibt es einige junge Barolo- und Barbera-Sorten, die wegen ihrer “Üppigkeit” und ihres höheren Alkoholgehalts berühmt sind.

Sie können sich also merken, dass Weinsorten der Alten Welt einen geringeren Alkoholgehalt haben, delikater, zurückhaltender und stärker Terroir-orientiert sind. Attribute von Weinsorten der Neuen Welt sind dagegen ihre Wuchtigkeit, Üppigkeit, ein höherer Alkoholanteil und eine leichte bis mittlere Säure.

Prost!

Somms in the Kitchen – ein Wettbewerb in der Welt der Weine

February 07th, 2009 von Sébastien Gavillet

Einige von Ihnen werden vielleicht schon gehört haben, dass in der Weinwelt von Las Vegas ein ‘großer’ kulinarischer Wettbewerb (“Cook off” ) stattfindet, der den Namen “Somms in the Kitchen” trägt. “Somms in the Kitchen” ist eine private Veranstaltung, bei der Sommeliers gegeneinander antreten. Es wird ein Thema vorgegeben und die Grundlagenkriterien werden gesetzt. Dann werden bis zu drei Sommeliers ausgewählt. Das alles geschieht natürlich auf Freiwilligen-Basis. Die Sommeliers treten auf einer individuell-persönlichen Ebene gegeneinander an, sie repräsentieren nicht ihr Restaurant oder ihren Weinhandel. Nachdem die Kandidaten gewählt sind, wird ein passender Ort (meist privat) gesucht. Die Wettkämpfer müssen oft bis zu drei Gängen vorbereiten und die meisten der Gerichte müssen vor Ort gekocht werden. Das Ziel ist nicht nur, die besten Gerichte zu kochen, sondern sie auch mit den richtigen Weinen zusammenzustellen. Eine Jury aus drei Richtern (die aus Köchen, Sommeliers und/oder Restaurantkritikern besteht) beurteilt und bewertet die Gerichte im Hinblick auf Präsentation, Originalität, Geschmack und Kriterien der Zusammenstellung von Wein und Gericht (Weinpaarung / wine pairing). Ich kann Ihnen sagen, dass “es nichts Besseres gibt, als wenn Gourmets aufeinandertreffen und ihre versteckten kulinarischen Fähigkeiten offenbaren, ihre beliebtesten Gerichte mitteilen und sie mit dem jeweils perfekten Wein zusammenstellen”. Wenn Sie das Glück haben, eingeladen zu werden, wird von Ihnen erwartet, dass Sie wenigstens eine Weinflasche als Beitrag mitbringen. Und es sollte besser ein dezenter Wein sein, denn: wenn mindestens zwanzig Sommeliers im Haus sind, die in den feinsten Restaurants der Stadt arbeiten, ist da letzte, was Sie hören wollten, die Frage: “Wer hat diesen lausigen Wein hier mitgebracht?” Prost!